Über 550 "Gäste" hat das Albert-Schweitzer-Hospiz
im Bayreuther Stadtteil Oberpreuschwitz seit seiner Eröffnung
vor sechs Jahren betreut. "Das zeigt die Notwendigkeit
einer solchen Einrichtung", sagte Hospizleiterin Angelika
Eck bei einem Besuch der stellvertretenden CSU-Fraktionsvorsitzenden
im Bayerischen Landtag Gudrun Brendel-Fischer und der Vorsitzenden
der Frauen-Union des Kreisverbandes Bayreuth Christa Reinert-Heinz.
Die Politikerinnen zeigten sich überzeugt davon, dass
die Thematik vor dem Hintergrund des demographischen Wandels
mit einer immer älter werdenden Gesellschaft in den kommenden
Jahren eher noch zunehmen wird.
Ein Hospiz ist eine Einrichtung, die sich der Pflege sterbender
Menschen widmet. Unheilbar kranke Personen sollen dort in
ihrer letzten Lebensphase eine respektvolle, umfassende und
kompetente Betreuung erfahren. Eine unheilbare Erkrankung
in fortgeschrittenem Stadium, schwere Symptomatik und eine
Lebenserwartung von wenigen Wochen oder Monaten sind die Aufnahmekriterien,
so die Leiterin. Der größte Teil aller Gäste
leide unter einer unheilbaren Krebserkrankung. Darunter seien
auch junge Leute. "Ein Hospiz ist keineswegs eine Angelegenheit
von Hochbetagten, so Angelika Eck.
Das Hospiz ist zwar in der Nähe des Bayreuther Klinikums
angesiedelt, hat damit aber nichts zu tun. Ziel der dortigen
Palliativstation für unheilbar Kranke ist es Symptome
bei den Patienten zu lindern und den Patienten unter Umständen
wieder nach Hause entlassen zu können, während das
Pflegehospiz Sterbenskranken Heimat bis zuletzt geben soll.
Auch organisatorisch gibt es einen Unterschied: Die Palliativstation
wird alleine von den Krankenkassen finanziert. Beim Hospiz
ist dagegen die Pflegekasse involviert. Aktuell beschäftigt
das Hospiz 25 Menschen einschließlich der Verwaltung,
den hauswirtschaftlichen Mitarbeiterinnen und einigen 450-Euro-Kräften.
Das Albert-Schweitzer-Hospiz ist auf zehn Plätze ausgerichtet
und wird in Form einer gemeinnützigen GmbH vom Diakonischen
Werk zusammen mit dem Hospizverein (530 Mitglieder) und der
Hospizstiftung betrieben. Zehn Prozent des Etats müssen
über Spenden erwirtschaftet werden. Damit möchte
der Gesetzgeber unter anderem verhindern, dass ein Hospiz
mit Gewinnabsichten betrieben werden könnte. Um das Geld
aufzutreiben, veranstaltet das Festival Junger Künstler
beispielsweise Benefizkonzerte oder das Hospiz verkauft von
lokalen Kunstschaffenden gestaltete Weihnachtskarten, so Stefanie
Hellbach, die beim Hospiz für das Fundraising zuständig
ist.
Die Einrichtung befindet sich mitten in einem beliebten Neubaugebiet
und in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Kindergarten.
Anfangs habe es viele Widerstände der Bewohner aus den
umliegenden Häusern und der Grundstückseigentümer
gegeben, erinnern sich die Verantwortlichen. Zwischenzeitlich
habe sich allerdings vieles verändert. Das Einzugsgebiet
gibt Angelika Eck mit einem 50-Kilometer-Radius rund um Bayreuth
an.
Aufgrund seines christlichen Hintergrundes und seiner großen
humanistischen Bedeutung wurde die Einrichtung nach dem Arzt
und Theologen Albert Schweitzer (1875 - 1965) benannt. Bayernweit
gibt es 15 Hospize, vier davon stehen unter Trägerschaft
der Diakonie. In Oberfranken gibt es ein weiteres Hospiz in
Naila (Landkreis Hof).
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